Ethereum (ETH) hat sich am Donnerstag rasch wieder über die Marke von 2.300 US-Dollar geschoben, nachdem der Kurs im frühen US-Handel kurzzeitig darunter gefallen war.
Die führende Altcoin steht weiterhin unter Druck im Bereich von 2.380 Dollar. Dort verläuft ein wichtiger technischer Widerstand, zugleich liegt die Zone nahe dem sogenannten realisierten Preis, also dem durchschnittlichen Einstiegskurs der Anleger auf der Blockchain.
Diese Marke befindet sich zwischen den Einstandsniveaus zweier Investorengruppen: Wallets mit Beständen von 10.000 bis 100.000 ETH sowie von 1.000 bis 10.000 ETH, deren Kostenbasis bei 2.324 beziehungsweise 2.436 Dollar liegt.
-1776374283807-1776374283814.png)
ETH realisierter Preis nach Wallet-Größen
Die erstgenannte Gruppe, häufig als „Whales“ bezeichnet, hat Anzeichen für Gewinnmitnahmen gezeigt, nachdem der Kurs am Montag über ihren Einstandspreis gestiegen war. Seitdem wurden rund 60.000 ETH abgestoßen. Solche Bewegungen deuten häufig darauf hin, dass Anleger nach Erreichen der Gewinnschwelle Positionen auflösen.
Zwar haben die Abflüsse bei Wallets mit Beständen zwischen 100 und 1.000 sowie 1.000 und 10.000 ETH in den vergangenen drei Tagen nachgelassen, dennoch haben beide Gruppen auf Wochensicht zusammen rund 350.000 ETH verkauft.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Kapitalzuflüssen in Ethereum-Futures, die in den vergangenen Tagen ins Stocken geraten sind. Das offene Interesse, also der Gesamtwert aller offenen Kontrakte auf ETH-Derivate, liegt laut Daten von Coinglass seit dem Kurssprung am Montag bei rund 14,2 Millionen ETH und konnte nicht weiter ausgeweitet werden.
Auch der Sieben-Tage-Durchschnitt des Taker-Buy-Sell-Verhältnisses ist zuletzt gesunken, was auf ein nachlassendes Interesse am Derivatemarkt hindeutet.
-1776374310101-1776374310102.png)
ETH Taker-Buy-Sell-Verhältnis. Quelle: CryptoQuant
Das Taker-Buy-Sell-Verhältnis misst die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufsvolumen von Marktteilnehmern, die mittels Marktorders unbefristete ETH-Futures handeln. Ein Anstieg signalisiert eine Dominanz von Kaufpositionen, ein Rückgang das Gegenteil.
Unterdessen verzeichneten börsengehandelte Spot-ETFs auf Ethereum in den USA fünf Handelstage in Folge Nettozuflüsse. Am Mittwoch summierten sich diese laut SoSoValue auf 67,8 Millionen Dollar. Das deutet auf eine langsam zurückkehrende institutionelle Nachfrage hin.
In der Gesamtschau sprechen diese Kennzahlen dafür, dass der jüngste Anstieg über 2.300 Dollar bislang nicht von einer starken Nachfrage getragen wird.
In den vergangenen 24 Stunden wurden laut Coinglass Positionen im Wert von 111,6 Millionen Dollar liquidiert, davon entfielen 70,8 Millionen Dollar auf Long-Positionen.
Im Tageschart notiert ETH bei 2.351 Dollar und behauptet sich oberhalb der exponentiellen gleitenden Durchschnitte über 20 und 50 Tage bei 2.214 beziehungsweise 2.190 Dollar, was ein grundsätzlich konstruktives Bild zeichnet.
Die Aufwärtsdynamik wird durch den Relative-Stärke-Index (RSI) gestützt, der bei etwa 61 liegt. Gleichzeitig signalisiert der Stochastik-Oszillator mit einem Wert nahe 84 eine überkaufte Marktlage, die den Anstieg bremsen könnte. Besonders relevant ist dies mit Blick auf den Bereich um den 100-Tage-Durchschnitt bei 2.376 Dollar, der zusammen mit dem horizontalen Widerstand bei 2.388 Dollar eine zentrale Hürde darstellt. Ein Tagesschlusskurs darüber würde Raum für einen Anstieg auf 2.746 und anschließend 3.411 Dollar eröffnen.
ETH/USDT-Tageschart
Auf der Unterseite liegt eine erste Unterstützung im Bereich der zusammenlaufenden 20- und 50-Tage-Durchschnitte sowie der Marke von 2.211 Dollar. Bei stärkeren Rücksetzern rücken 2.107 und 1.909 Dollar in den Fokus, gefolgt von weiter entfernten Unterstützungen bei 1.741 und 1.404 Dollar.