TradingKey – Am 28. Juli nach US-Ostküstenzeit fielen die internationalen Rohölpreise weiter, womit die Ölpreise offiziell in eine Korrekturphase eintraten. Rohöl der Sorte Brent ( UKOIL) weitete seine Verluste auf über 5 % aus, während WTI-Rohöl ( USOIL) um über 4 % fiel, was widerspiegelt, dass der Markt die Aussicht auf eine Entspannung der Angebotsrisiken im Nahen Osten einpreist.

Quelle: FutuBull
Die jüngste Abwärtsbewegung der Ölpreise wurde vor allem durch Signale einer Entspannung im Nahen Osten ausgöst. Angesichts des bevorstehenden Treffens zwischen US-Präsident Trump und dem israelischen Premierminister Netanjahu berichteten israelische Medien unter Berufung auf mehrere Quellen, dass an den Vermittlungsbemühungen beteiligte Akteure wie Katar und Oman davon ausgehen, dass die USA und der Iran kurz vor der Wiederaufnahme diplomatischer Kontakte und einem Durchbruch stehen. Dabei besteht die Hoffnung, die im Juni dieses Jahres unterzeichnete und später aufgrund eskalierender Konflikte auf Eis gelegte Absichtserklärung – namentlich den vorläufigen Waffenstillstandsrahmen – wiederzubeleben. Die genannten Vermittler warten Berichten zufolge noch darauf, dass Trump nach seinem Treffen mit Netanjahu eine endgültige Entscheidung trifft.
US-Medienberichten zufolge führen die USA und der Iran indirekte Konsultationen über Vermittler unter der Leitung von Oman, Katar und Pakistan. Ziel ist es, die derzeitige Pause bei den gegenseitigen Angriffen zwischen den USA und dem Iran in ein dauerhaftes neues Waffenstillstandsabkommen umzuwandeln.
Zuletzt hielten beide Seiten diskrete Kontakte über Kanäle wie Oman und Katar aufrecht. Die USA hoffen, den begrenzen Waffenstillstand nach früheren militärischen Aktionen weiter zu institutionalisieren und die Atomgespräche wiederzubeleben, während der Iran konkretere Zugeständnisse bei Themen wie Sanktionen und Energieexporten anstrebt. Am Markt wuchs die Erwartung, dass beide Seiten den Konflikt erneut mit diplomatischen Mitteln bewältigen können, was zu einem raschen Rückgang der geopolitischen Risikoprämie bei den Rohölpreisen führte.
Die Neuausrichtung der US-Politik hat zudem die Sorgen vor Unterbrechungen der Rohölversorgung weiter gemildert. US-Medien berichteten am Dienstag unter Berufung auf mehrere US-Beamte, dass eine wachsende Zahl von Vertretern der Trump-Regierung der Ansicht sei, dass eine kontinuierliche Verschärfung der Finanzsanktionen, Energieblockaden und der wirtschaftlichen Isolation des Irans langfristig eine größere Wirkung erzielen könnte als Luftangriffe auf iranische Nuklearanlagen. Das Weiße Haus geht derzeit davon aus, dass die iranische Wirtschaft unter immensem Druck steht. Eine weitere Einschränkung der iranischen Ölexporte, des Finanzsystems und der internationalen Handelswege dürfte Teheran eher an den Verhandlungstisch zurückzwingen, ohne dass dafür erneut groß angelegte Militärschläge gestartet werden müssen. Dies ist auch einer der Hauptgründe, warum die USA zuletzt zwar die militärische Abschreckung aufrechterhalten, aber nicht sofort wieder groß angelegte Luftangriffe gestartet haben.
Allerdings birgt die aktuelle Lage weiterhin erhebliche Unsicherheiten, und einem formellen Abkommen stehen nach wie vor Hindernisse im Weg. Israel verhält sich weiterhin vorsichtig. Kreisen zufolge wird ein formelles Abkommen nach wie vor durch Fragen wie das iranische Atomprogramm, künftige Sanktionsregelungen und regionale Stellvertretermilizen blockiert. Unterdessen hat der Iran Berichte über die Verhandlungen wiederholt dementiert. Der iranische Außenministeriumssprecher Baghaei wies Gespräche zwischen den USA und dem Iran am Montag zurück, und der Iran bekräftigte seine Haltung am Dienstag mit der Erklärung, man habe in den vergangenen 16 bis 17 Tagen keinen Dialog mit den USA gesucht.
Mit Blick auf die Zukunft werden das bevorstehende Treffen zwischen Trump und Netanjahu sowie die Bemühungen der Vermittler zur Wiederbelebung des Waffenstillstandsrahmens vom Juni die entscheidenden Variablen sein, die die Lage im Nahen Osten und die globalen Vermögenspreise in den kommenden Wochen beeinflussen.
Sollten die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran weitere Durchbrüche erzielen, dürfte die geopolitische Risikoprämie weiter sinken, was die internationalen Ölpreise weiter unter Druck setzen könnte. Sollten die Verhandlungen hingegen einen erneuten Rückschlag erleiden und die Spannungen im Nahen Osten wieder eskalieren, könnten sich der Energiemarkt und globale Risikoanlagen schnell umkehren.