Der Kryptomarkt hat seit seinem Rekordhoch Ende 2025 mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt. Der Rückgang verdeutliche die Schwere des jüngsten Bärenmarktes und das Fehlen neuer Impulse, die das Interesse der Anleger wieder beleben könnten, schrieb The Kobeissi Letter am Mittwoch auf der Plattform X.
Die gesamte Marktkapitalisierung des Kryptomarktes erreichte am 6. Oktober 2025 mit 4,3 Billionen US-Dollar einen Rekordwert. Seitdem befindet sich der Sektor in einem anhaltenden Abschwung. Der Gesamtwert sank auf rund 2,1 Billionen US-Dollar. Damit gingen innerhalb von 261 Tagen etwa 2,2 Billionen US-Dollar an Marktwert verloren, was einem Rückgang von 54 Prozent gegenüber dem Hoch des Zyklus entspricht.

Gesamte Marktkapitalisierung des Kryptomarktes. Quelle: The Kobeissi Letter
Analysten von The Kobeissi Letter erklärten, dass digitale Vermögenswerte seit dem Hoch im Oktober im Durchschnitt täglich rund 8,8 Milliarden US-Dollar an Wert verloren hätten. Dies verdeutliche den anhaltenden Charakter des Ausverkaufs und spreche gegen ein einmaliges Kapitulationsereignis.
Bitcoin trug während des marktweiten Rückgangs einen großen Teil des Verkaufsdrucks. Die Kryptowährung fiel am Mittwoch zeitweise unter die Marke von 60.000 US-Dollar. Ausschlaggebend seien eine nachlassende Dynamik, Gewinnmitnahmen sowie das schwierige makroökonomische Umfeld.
Nach Angaben des Analyseunternehmens Glassnode handelt Bitcoin damit unter seinem sogenannten True Market Mean, der derzeit bei rund 77.000 US-Dollar liegt. Die Differenz deutet darauf hin, dass viele zuletzt eingestiegene Anleger weiterhin im Minus liegen. Dies erschwere eine nachhaltige Erholung, auch wenn sich erste Anzeichen einer Bodenbildung abzeichnen könnten.
„Dies ist aus zyklischer Sicht eine konstruktive Entwicklung, da sie einen wichtigen Schritt in Richtung einer Bodenbildung markiert, bei der neues Kapital zu Preisen investiert wird, die zunehmend von den überhitzten Niveaus des jüngsten Marktzyklus entkoppelt sind“, schrieb Glassnode.
Der Bericht bezeichnet die aktuelle Lage als ein „von Verlusten dominiertes Umfeld“. Der 90-Tage-Durchschnitt des realisierten Nettogewinns beziehungsweise -verlusts sei auf minus 205 Millionen US-Dollar pro Tag gefallen.

BTC-Netto-Gewinn/Verlust, 90-Tage-Durchschnitt. Quelle: Glassnode
Glassnode ergänzte, dass die anhaltenden realisierten Verluste weiterhin Druck auf den sogenannten Realized Price von Bitcoin ausübten, der derzeit bei rund 53.400 US-Dollar liege.
Gleichzeitig stellt eine hohe Konzentration kurzfristiger Bitcoin-Bestände im Bereich zwischen 66.800 und 70.700 US-Dollar weiterhin eine bedeutende Widerstandszone dar. Anleger, die ihre Bestände in diesem Bereich aufgebaut haben, könnten bei einer Erholung der Kurse zum Verkauf neigen und dadurch das kurzfristige Aufwärtspotenzial begrenzen.
„Eine nachhaltige Rückkehr über 66.800 US-Dollar würde diesen Angebotsüberhang deutlich verringern und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich der Kurs mittelfristig in Richtung der Kostenbasis kurzfristiger Anleger bei 71.400 US-Dollar bewegt. Bis dahin bleibt dieser lokale Überhang ein Belastungsfaktor für die Aufwärtsdynamik“, erklärte Glassnode.
Auch die institutionelle Nachfrage bleibt schwach. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten weiterhin anhaltende Mittelabflüsse von durchschnittlich nahezu 300 Millionen US-Dollar pro Tag. Den größten Anteil der Abflüsse verzeichnete der Fonds GBTC von Grayscale.
„Dies deutet darauf hin, dass die Schwäche in erster Linie durch Verkäufe langjähriger Investoren und Portfolioumschichtungen verursacht wird und nicht durch einen einheitlichen Rückzug aus dem gesamten ETF-Sektor“, erklärte Glassnode.
Nach Einschätzung des Analysehauses unterscheidet sich die aktuelle Korrektur von früheren Rücksetzern, bei denen ETF-Anleger häufig Kursrückgänge zum Einstieg nutzten und den Bitcoin-Preis stützten. Der derzeitige Abschwung gehe dagegen mit anhaltenden Mittelabflüssen einher. Dies deute darauf hin, dass viele Investoren ihre Positionen verringern, anstatt zusätzliche Bestände aufzubauen.
Bitcoin wurde zuletzt bei 60.870 US-Dollar gehandelt und lag damit innerhalb von 24 Stunden um 2,8 Prozent im Minus.