Die Deutsche Bank hebt nach der überraschend starken Wirtschaftsleistung im ersten Halbjahr ihre Erwartungen für Deutschland an. Statt der bislang prognostizierten 0,5 Prozent dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2026 nun eher um knapp 1 Prozent wachsen. Belastungen durch den Transportsektor dürften kurzfristig begrenzt bleiben, da sich die Pegelstände des Rheins erholen. Im dritten Quartal könnte das Wachstum dennoch vorübergehend zum Stillstand kommen. Schwachpunkt bleibt der private Konsum: Eine Inflation von 2,7 Prozent zehrt einen Großteil der Lohnzuwächse auf. Gleichzeitig dürfte die expansive Finanzpolitik die Investitionen gegen Ende 2026 und im Jahr 2027 anschieben.
Wachstumsprognose nach starkem ersten Halbjahr angehoben
„Die deutsche Wirtschaft hat ihren überraschend robusten Erholungskurs im ersten Halbjahr fortgesetzt. Die endgültigen BIP-Daten für das zweite Quartal brachten eine Aufwärtsrevision der zunächst gemeldeten Wachstumsrate auf 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Zusammen mit dem bereits überraschend kräftigen Wachstum von 0,4 Prozent im ersten Quartal und einem positiven statistischen Überhang aus dem Jahr 2025 von fast 0,2 Prozentpunkten liegt unsere Wachstumsprognose für 2026 nun deutlich näher an 1 Prozent als an den bislang angenommenen 0,5 Prozent.“
„Die transportbedingten Belastungen, die im laufenden dritten Quartal drohen, dürften vorerst begrenzt bleiben. Grund dafür ist die wetterbedingte Erholung der Wasserstände an kritischen Engpässen des Rheins. Damit sollten sich die Befürchtungen vor einem Rückgang des BIP im dritten Quartal weitgehend zerstreuen. Eine vorübergehende Abschwächung der Wachstumsdynamik bis hin zur Stagnation lässt sich allerdings nicht ausschließen.“
„Der private Konsum dürfte ein Schwachpunkt bleiben, da die von hohen Öl- und Gaspreisen getriebene Verbraucherpreisinflation die Kaufkraft weiter schmälert. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen wir nach nationaler Berechnung mit einer Inflationsrate von 2,7 Prozent. Damit würde ein Großteil des erwarteten Anstiegs der Tariflöhne um 3 Prozent aufgezehrt. Dies spiegelt sich auch in der weiterhin verhaltenen Verbraucherstimmung wider.“
„Die expansive Finanzpolitik stützt das Wachstum jedoch weiterhin. Ihre Auswirkungen dürften in der zweiten Jahreshälfte zunehmend in der Realwirtschaft sichtbar werden und insbesondere gegen Ende 2026 sowie im Jahr 2027 den Investitionen zusätzlichen Schwung verleihen. Das Defizit des Bundes dürfte 2026 auf 4,1 Prozent des nominalen BIP und 2027 auf 4,2 Prozent steigen.“