Ethereum (ETH) hat seine Talfahrt am Donnerstag fortgesetzt und binnen 24 Stunden mehr als fünf Prozent verloren. Der Kurs fiel in Richtung der Marke von 2.100 US-Dollar und damit unter den durchschnittlichen Einstiegspreis beziehungsweise den realisierten Preis der Investoren von 2.310 US-Dollar, wie aus Daten von CryptoQuant hervorgeht.
Historisch gilt der realisierte Preis in Abschwungphasen als Unterstützungsniveau. Ein anhaltendes Unterschreiten führt jedoch häufig zu wachsender Angst und Kapitulation. Darauf deuten auch die von Santiment erfassten Verluste von mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar hin, die Investoren in der vergangenen Woche verbucht haben.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Wallets unterschiedlicher Größe – von Großinvestoren bis zu Kleinanlegern. Die Kurse liegen inzwischen auch unter deren durchschnittlichen Einstiegspreisen. Kleinanleger mit Beständen zwischen 100 und 10.000 ETH haben ihre Verkäufe verstärkt und in den vergangenen sieben Tagen mehr als 600.000 ETH abgestoßen.
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Realisierter ETH-Preis nach Wallet-Größen. Quelle: CryptoQuant
Besonders stark trifft der Kursrückgang Großinvestoren mit gehebelten, kreditfinanzierten ETH-Positionen. Viele von ihnen erhöhen den Verkaufsdruck, um Zwangsliquidationen zu vermeiden. Das Analysehaus Trend Research, das eine gehebelte ETH-Position im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar hielt, hat laut Daten des Smart-Money-Trackers Lookonchain in den vergangenen drei Tagen 316.185 ETH im Wert von rund 738 Millionen US-Dollar bei Binance eingezahlt – mutmaßlich zum Verkauf.
Ein weiterer bedeutender Großinvestor ist die Ethereum-Treasury-Firma Bitmine Immersion (BMNR), die infolge des anhaltenden Preisverfalls ebenfalls tief in den roten Zahlen liegt. Auf ihre Bestände von 4,28 Millionen ETH entfallen nach Angaben von Lookonchain derzeit nicht realisierte Verluste von rund sieben Milliarden US-Dollar.
Die massiven Verluste haben innerhalb der Krypto-Community eine Debatte ausgelöst. In einem Beitrag wurde behauptet, Bitmine werde seine Bestände letztlich verkaufen, was den Ethereum-Preis langfristig nach oben begrenzen könnte.
Bitmine-Chairman Thomas Lee wies diese Sichtweise zurück und erklärte, solche Annahmen würden „den Kern einer Ethereum-Treasury verfehlen“. Bitmine sei darauf ausgelegt, die Kursentwicklung von ETH nachzubilden und diese über den Marktzyklus hinweg zu übertreffen.
Lee ergänzte, dass „nicht realisierte Verluste“ kein Fehler, sondern Teil des Konzepts seien, und verwies auf börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die in Marktabschwüngen ebenfalls Verluste aufweisen.
Angesichts der flächendeckenden Verluste für einen Großteil der Investoren ist zudem zu beachten, dass ein Krypto-Asset, das unter seinem realisierten Preis notiert, von professionellen Investoren häufig als Akkumulationszone betrachtet wird. Diese steigen oft erst dann ein, wenn der Verkaufsdruck weitgehend abgeklungen ist.
Ethereum verzeichnete in den vergangenen 24 Stunden Futures-Liquidationen im Volumen von 228,5 Millionen US-Dollar, davon entfielen laut Coinglass-Daten 137,2 Millionen US-Dollar auf Long-Positionen.
ETH testet den Unterstützungsbereich um 2.100 US-Dollar bereits den zweiten Tag in Folge, nachdem der Kurs zuvor am Widerstand nahe 2.380 US-Dollar gescheitert war. Ein Rutsch unter die Unterstützung könnte den Preis in Richtung 1.730 US-Dollar drücken.

ETH/USDT-Tageschart
Auf der Oberseite müsste ETH zunächst über die exponentiellen gleitenden Durchschnitte der vergangenen 20, 50, 100 und 200 Tage steigen, um einen neuen Aufwärtstrend einzuleiten.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) sowie der Stochastik-Oszillator bewegen sich weiterhin in überverkauften Bereichen und signalisieren ein anhaltend starkes bärisches Momentum.