Geoff Yu von BNY Mellon rechnet damit, dass die EZB im Oktober auf eine Zinserhöhung verzichtet und ihren Straffungszyklus für dieses Jahr möglicherweise bereits beendet hat. Als Gründe nennt er die klaren Hinweise zu Zweitrundeneffekten, zunehmende Risiken bei Staatsanleihen und die Unsicherheit über den französischen Haushalt. Jede Reaktion über die Bilanz - etwa ein Ende der quantitativen Straffung oder der Einsatz des Instruments zur Absicherung der Transmission - würde nach seiner Einschätzung faktisch auch das Ende der Zinserhöhungen markieren. Andernfalls könnten die geldpolitischen Instrumente gegeneinander arbeiten.
„Die EZB wird den Oktober auslassen und könnte ihren Straffungszyklus für dieses Jahr bereits beendet haben. Sie bleibt zwar wachsam, doch ihre Aussagen zu Zweitrundeneffekten sprechen für eine Pause im Oktober.“
„Angesichts der zunehmenden Risiken bei Staatsanleihen und der Unsicherheit über den französischen Haushalt halten wir auch im Dezember eine Zinspause für wahrscheinlich. Eine Ausnahme wäre, wenn sich die Erdgaspreise dem ‚schweren‘ Inflationsszenario aus den Projektionen der EZB-Experten annähern.“
„Da die Risikoaufschläge von Staats- und Unternehmensanleihen im Fokus stehen, wurde die EZB bereits mit Fragen nach einer Aktivierung des 2022 geschaffenen ‚Instruments zur Absicherung der Transmission‘ konfrontiert. Dieses soll einer ungeordneten Ausweitung der Risikoaufschläge von Staatsanleihen in der Eurozone entgegenwirken.“
„Derzeit halten wir diesen Schritt nicht für notwendig. Sollten sich die Renditeabstände zwischen französischen Staatsanleihen und Bundesanleihen erneut ausweiten, wäre ein Ende der quantitativen Straffung der wahrscheinlichere Schritt.“
„Sollte die EZB jedoch ihre Bilanz einsetzen - selbst unter dem Vorwand des ‚Schutzes der Transmission‘ -, dürfte auch das Ende der zinsbasierten Straffung nicht mehr weit sein. Andernfalls würden sich Bilanzunterstützung und Zinserhöhungen gegenseitig entgegenwirken.“