Der Bitcoin ist am Mittwoch zeitweise unter die Marke von 75.000 US-Dollar gefallen. Onchain-Daten deuteten dabei eher auf vorsichtigen Optimismus als auf eine ausgeprägte bullische Marktstimmung hin, heißt es in einem Bericht des Analysehauses Glassnode vom Mittwoch.
Der Bericht verweist auf eine „kopflastige“ Kostenbasisstruktur, bei der ein großer Teil der jüngsten Investoren nahe den aktuellen Kursniveaus eingestiegen sei. Dadurch reagiere der Markt besonders empfindlich auf Veränderungen der Nachfrage.
Glassnode nennt drei zentrale Preisniveaus: die Kostenbasis kurzfristiger Anleger bei rund 78.000 US-Dollar, den sogenannten „True Market Mean“ bei etwa 78.300 Dollar sowie den langfristigen Realized Price nahe 54.200 Dollar.
Die jüngste Akkumulation im Bereich zwischen 75.000 und 78.000 Dollar habe dazu geführt, dass sich der durchschnittliche Einstiegspreis kurzfristiger Anleger nahezu mit dem „True Market Mean“ decke.
Ein nachhaltiger Handel oberhalb dieser Spanne könnte laut dem Bericht auf einen Übergang in eine frühe Aufwärtsphase hindeuten. Sollte sich der Markt dort jedoch nicht behaupten können, drohten stärkere Abwärtsreaktionen.
„Sollte sich der Preis oberhalb des True Market Mean stabilisieren, bleibt ein Übergang in eine Vor-Bullenmarktphase plausibel“, schrieb Glassnode.
Auch die Anlegeraktivität signalisiere Vorsicht. Das Verhältnis realisierter Gewinne und Verluste liege derzeit bei 1,56. Dies zeige zwar Gewinnmitnahmen der Investoren, allerdings nicht in einem Ausmaß, wie es typischerweise in frühen Phasen starker Bullenmärkte zu beobachten sei. Laut Glassnode deutet dies darauf hin, dass die vorangegangene Kurserholung eher von vorsichtigen Umschichtungen als von aggressiven Käufen getragen worden sei.
„Die frühere Kurserholung erscheint zwar konstruktiv, wurde jedoch offenbar eher durch vorsichtige Neupositionierungen als durch einen aggressiven Nachfrageschub getragen, wie er für nachhaltigere Zykluswechsel typisch ist“, heißt es in dem Bericht.
Ein ähnliches Bild zeigten die Profitabilitätstrends kurzfristiger Anleger. Die Netto-Gewinne und -Verluste dieser Gruppe hätten sich seit den deutlich negativen Werten im Februar erheblich verbessert und lägen inzwischen nahe der Gewinnschwelle bei minus 0,02 Prozent. Trotz der deutlichen Erholung reiche dies jedoch nicht aus, um eine klare Trendwende am Markt zu bestätigen.
Das Spot Volume Delta sei inzwischen wieder negativ, was nach der Zurückweisung des Bitcoins im Bereich knapp über 80.000 Dollar auf eine Rückkehr der Verkäuferdominanz hindeute. Auch die institutionelle Nachfrage habe nachgelassen. Spot-Bitcoin-ETFs hätten in den vergangenen beiden Wochen Mittelabflüsse verzeichnet.
„Sollte Bitcoin von hier aus deutlich weiter steigen wollen, dürfte die Spot-Nachfrage wieder anspringen müssen. Andernfalls droht dem Markt eine Rückkehr in jene volatile und von Verkäufern dominierte Phase, die bereits zu Jahresbeginn weitere Kursanstiege begrenzt hatte“, ergänzte der Bericht.
An den Derivatemärkten sinkt unterdessen die implizite Volatilität des Bitcoins, insbesondere im kurzfristigen Bereich. Die Ein-Monats-Volatilität sei in den vergangenen beiden Wochen von rund 38,5 Prozent auf etwa 33 Prozent gefallen, während sich der Kurs in einer engen Handelsspanne bewegt habe.
Der Rückgang deutet darauf hin, dass Händler kurzfristig mit weniger starken Kursausschlägen rechnen und geringere Prämien für kurzfristige Spekulationen oder Absicherungen zu zahlen bereit sind.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurde Bitcoin bei 75.090 US-Dollar gehandelt. Auf Sicht von 24 Stunden ergibt sich damit ein Minus von 1,1 Prozent.