Bitcoin (BTC) zeigt zunehmend Ermüdungserscheinungen. Schwächere Liquidität und eine verhaltene Nachfrage machen den Markt anfällig für eine stärkere Kursbewegung, wie aus einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht des Analysehauses Glassnode hervorgeht.
Demnach bewegt sich Bitcoin derzeit zwischen zwei wichtigen Kostenniveaus, während die Marktaktivität auf den niedrigsten Stand seit 2019 gefallen ist. Der Spotpreis liegt weiterhin über dem Median Realized Price von 63.000 Dollar, aber unter der Kostenbasis kurzfristiger Bitcoin-Halter von 68.700 Dollar.
„Der Kurs bewegt sich seit fast drei Monaten in diesem Bereich, und die beiden Niveaus nähern sich immer weiter an, während die Volatilität abnimmt“, schrieb Glassnode.
Ein nachhaltiger Anstieg über 68.700 Dollar könnte jüngere Käufer wieder in die Gewinnzone bringen und Bitcoin vor den ersten größeren Test durch das darüberliegende Angebot stellen. Ein Rückgang unter 63.000 Dollar könnte dagegen dazu führen, dass bis zu den Tiefständen vom Juni nur wenig Unterstützung vorhanden ist.
Die fehlende Richtung zeigt sich auch am Spotmarkt. Laut Glassnode ist das Handelsvolumen an den Spotbörsen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Datenreihe Anfang 2019 gefallen. Selbst wenn Binance herausgerechnet wird, nähert sich die Handelsaktivität wieder Niveaus, die zuletzt während des Bärenmarktes 2023 zu beobachten waren.
Glassnode warnte, dass ein derart dünner Markt die nächste größere Kursbewegung verstärken könnte. Bei weniger Marktteilnehmern und geringerer Liquidität könnten bereits vergleichsweise geringe Kauf- oder Verkaufsvolumina stärkere Auswirkungen auf den Bitcoin-Preis haben.
„Eine derart geringe Marktteilnahme hält selten lange an und ist die klassische Ausgangslage für eine Ausweitung der Volatilität“, hieß es in dem Bericht.
Trotz der schwachen Marktstruktur gibt es dem Bericht zufolge mehrere Anzeichen dafür, dass der Verkaufsdruck allmählich nachlässt. Rund die Hälfte des umlaufenden Bitcoin-Angebots befindet sich derzeit im nicht realisierten Gewinn. Gleichzeitig ist die sogenannte Seller Exhaustion Constant auf ein Zyklustief gefallen. Der Indikator, der den Anteil des Angebots im Gewinn mit der Volatilität kombiniert, weist damit die schwächsten Werte seit 2013 auf.
Glassnode betonte allerdings, dass der Markt bislang noch keine so ausgeprägte Kapitulation erlebt habe, wie sie an den Tiefpunkten früherer Bärenmärkte zu beobachten war.
„Die Verkäufer zeigen deutlich Ermüdungserscheinungen, aber der finale Ausverkauf, der frühere Bärenmärkte beendet hat, ist bislang ausgeblieben“, erklärte das Unternehmen.
Auch der Adjusted SOPR zeigt weiterhin Widerstand rund um die Gewinnschwelle. Der Sieben-Tage-Durchschnitt ist seit dem Bitcoin-Hoch im Oktober neunmal auf einen Wert von 1,0 zurückgekehrt. Verkäufer nutzten dabei jede Erholung in Richtung dieses Niveaus als Gelegenheit zum Ausstieg.
Für eine stärkere Erholung müsste der Adjusted SOPR daher während einer nachhaltigen Kursrally über der Marke von 1,0 bleiben.
Gleichzeitig lieferten die US-Inflationsdaten für Juli zunächst kaum Unterstützung. Die Kerninflationsrate sank auf 2,5 Prozent, während die Gesamtinflation unverändert blieb. Bitcoin reagierte darauf nur verhalten, während auch die Aktienmärkte nachgaben.
Glassnode hob hervor, dass die Reaktion des Marktes möglicherweise wichtiger sei als die Inflationsdaten selbst. Sollte es Bitcoin nicht gelingen, auf den Zahlen aufzubauen, würde dies die Sorgen über eine weiterhin schwache Nachfrage verstärken.
„Wenn der Kurs diese Nachricht in den kommenden Handelssitzungen nicht für weitere Gewinne nutzen kann, würden wir dies als Bestätigung dafür werten, dass die Nachfrage weiterhin fehlt“, hieß es in dem Bericht weiter.
Bitcoin notiert derzeit bei 63.513 Dollar und damit 0,3 Prozent niedriger als vor 24 Stunden.