BNY-Devisenstratege Geoff Yu sieht trotz überraschend deutlicher Zinserhöhungen in Asien keine Trendwende bei kurzfristigen Kapitalflüssen in regionale Anleihemärkte. Selbst die unerwartete Leitzinsanhebung in Sri Lanka um 100 Basispunkte habe die Nachfrage nicht belebt. Gleichzeitig belasteten steigende US-Zinserwartungen und höhere Importkosten weiterhin Währungen wie die indonesische Rupiah und die indische Rupie sowie Devisen in Nordasien.
„Die Zinsentscheidung der Zentralbank Sri Lankas sorgt normalerweise kaum für größere Aufmerksamkeit, doch die gestrige Anhebung um 100 Basispunkte auf 8,75 Prozent – erwartet worden waren lediglich 50 Basispunkte – ist ein weiterer überraschend restriktiver Schritt in Süd- und Südostasien. Die Region kämpft mit Angebotsengpässen und schwächeren Währungen. Sri Lanka hatte in der Vergangenheit erhebliche Probleme in der Zahlungsbilanz, und die Notenbank versucht offensichtlich, Kapitalzuflüsse zu stabilisieren, ohne die begrenzten Devisenreserven weiter aufzubrauchen.“
„Die jüngste Serie restriktiver Überraschungen im asiatisch-pazifischen Raum hat dem Carry-Trade bislang kaum geholfen. Abgesehen vom Druck auf die Währungen blieben auch die Kapitalzuflüsse in kurzfristige Anleihen der Region schwach. Der Laufzeitenbereich unter einem Jahr – also jenes Segment, das besonders eng mit Liquiditätspräferenzen wie beim Carry-Trade verbunden ist – weist seit Anfang April auf geglätteter Wochenbasis negative Zuflüsse auf. Eine Trendwende ist bislang nicht erkennbar.“
„Zusammen mit den Preisrisiken bei Lebensmitteln und anderen importierten Rohstoffen könnten die Zentralbanken gezwungen sein, aggressiver vorzugehen, um ihre Währungen zu stabilisieren. Die Bank of Japan dürfte dabei eine Vorreiterrolle übernehmen.“
„Da zugleich auch die Zinserwartungen in den USA weiter steigen, dürfte der asiatisch-pazifische Raum bei kurzfristigen Anleihen unter Druck bleiben. Indonesische Rupiah und indische Rupie bieten zwar Renditechancen, leiden aber unter Belastungen in der Zahlungsbilanz. In den größeren, stark sparorientierten Volkswirtschaften Nordasiens drücken steigende Importkosten auf die Währungsentwicklung, während sich die Notenbanken weiterhin gegen Zinserhöhungen sträuben. In China ist der mittelfristige Kreditzins trotz eines erkennbaren inflationsbedingten Preisauftriebs bei Erzeuger- und Verbraucherpreisen auf ein neues Tief gefallen.“