Die US-Ökonomen Oscar Munoz und Eli Nir von TD Securities rechnen damit, dass das Wirtschaftswachstum in den USA 2026 weitgehend auf der Stelle treten wird. Die anhaltenden Folgen des Ölpreisschocks und die Risiken rund um den Iran dürften die US-Notenbank Fed ihrer Einschätzung nach bis zum Jahresende von weiteren Zinsschritten abhalten. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) dürfte leicht unter dem langfristigen Trend bleiben, während die Arbeitslosenquote bei rund 4,3 % erwartet wird. Die Kerninflation, gemessen am Verbraucherpreisindex (CPI) und am PCE-Preisindex, dürfte zugleich über 2 % verharren. Mit einer allmählichen Abschwächung des Preisdrucks rechnen die Experten erst wieder ab 2027.
"Wir erwarten, dass das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr weitgehend auf der Stelle tritt, was die anhaltenden Auswirkungen des Ölpreisschocks widerspiegelt. Der Iran-Konflikt birgt stagflationäre Risiken, die unserer Einschätzung nach dazu führen werden, dass die Fed ihre Geldpolitik das gesamte Jahr über unverändert lässt. Künstliche Intelligenz und einkommensstarke Verbraucher haben das zugrunde liegende Wachstum gestützt."
"Das BIP-Wachstum dürfte 2026 leicht unter dem Trend bleiben und im vierten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal bei 2,1 % liegen. Das stabile Wachstum sollte dazu führen, dass die Arbeitslosenquote im vierten Quartal 2026 mit 4,3 % weiterhin niedrig bleibt. Der Arbeitsmarkt hat Anzeichen einer Stabilisierung gezeigt, und wir erwarten, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Steigende Kosten infolge des Ölpreisschocks sorgen jedoch für zusätzliche Unsicherheit und könnten die Einstellungsbereitschaft belasten. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA innerhalb der kommenden zwölf Monate veranschlagen wir auf 25 %."
"Angesichts der angespannten Lieferketten halten wir einen deutlichen Rückgang der Inflation in diesem Jahr nicht für realistisch. Wir erwarten, dass die Kerninflation gemessen am Verbraucherpreisindex im vierten Quartal 2026 bei 2,6 % gegenüber dem Vorjahr liegt und das Jahr damit höher beendet, als sie es begonnen hat. Beim Kern-PCE-Preisindex erwarten wir ähnlich hohe Werte. Der Großteil der Auswirkungen höherer Ölpreise dürfte sich in der Gesamtinflation niederschlagen. Mit einer allmählichen Abschwächung der Inflation rechnen wir wieder ab 2027."
"Wir erwarten, dass die Fed über unseren gesamten Prognosezeitraum hinweg an ihrem derzeitigen Kurs festhält. Die Inflation dürfte für den Rest des Jahres hoch bleiben, während sich der Arbeitsmarkt stabilisiert hat. Dadurch kann sich der Offenmarktausschuss FOMC stärker auf sein Inflationsmandat konzentrieren. Sollte die Fed in diesem Jahr doch noch handeln, halten wir eine Zinserhöhung für wahrscheinlicher als eine Zinssenkung. Unter einer neuen Führung, die eine weniger klar definierte Reaktionsfunktion verfolgt, dürfte die Abhängigkeit von den Konjunkturdaten bei der Festlegung des weiteren geldpolitischen Kurses an Bedeutung gewinnen."
"Die Aussichten bleiben angesichts der Unsicherheit über die weitere Entwicklung im Iran sowie die Umsetzung der neuen Handels-, Fiskal-, Regulierungs- und Einwanderungspolitik der Trump-Regierung im Fluss. Neue Entwicklungen an den Finanzmärkten und eine weitere Eskalation geopolitischer Konflikte bleiben zentrale Risiken für unsere Konjunkturprognosen im Prognosezeitraum."