Der Goldpreis (XAU/USD) verliert am frühen Mittwoch im asiatischen Handel an Momentum und fällt auf rund 4.100 USD. Das Edelmetall setzt den Rückgang fort, da Händler ihre Erwartungen auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) in diesem Jahr festigen.
Gold steht seit dem Ausbruch des US-Iran-Kriegs am 28. Februar unter Verkaufsdruck. Die jüngste Einigung zwischen Washington und Teheran hat den Druck auf die Energiepreise verringert, doch die inflationsbedingten Auswirkungen könnten anhalten, was zu gefestigten Markterwartungen führt, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr zur Bekämpfung der erhöhten Kosten anheben wird.
Außerdem hat eine unerwartet restriktive Fed-Sitzung unter Vorsitz von Kevin Warsh in der vergangenen Woche die Erwartungen an eine Zinserhöhung zum Jahresende verstärkt, was zum Abwärtstrend des gelben Metalls beiträgt. Es ist erwähnenswert, dass Gold oft als Absicherung gegen Inflation genutzt wird, aber keine Zinsen abwirft, was es bei hohen Zinssätzen weniger attraktiv macht.
Händler preisen nun laut dem CME FedWatch Tool eine fast 86,1%ige Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Fed im Dezember ein, nach 61% vor der FOMC-Sitzung in der letzten Woche.
„Die Neubewertung der Fed zusammen mit resilienten US-Makrodaten hat die Hauptrolle beim Rückgang des Goldpreises gespielt“, sagte Michael Hsueh, Analyst bei der Deutsche Bank AG. Die Bank senkte ihre Preisprognose für das dritte Quartal (Q3) auf 4.300 USD, was einem Rückgang von mehr als einem Fünftel gegenüber der vorherigen Prognose entspricht, und auf 4.800 USD für die letzten drei Monate des Jahres.
Die US-Daten zum Preisindex für persönliche Konsumausgaben (PCE) für Mai werden am Donnerstag im Fokus stehen. Dieser Bericht könnte einige Hinweise auf den US-Zinspfad in diesem Jahr geben.
Gold hat in der Geschichte der Menschheit stets eine zentrale Rolle gespielt – als universelles Tauschmittel und sicherer Wertspeicher. Heute wird das Edelmetall vor allem als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten geschätzt. Gold dient nicht nur als Schmuck oder Anlageobjekt, sondern wird auch als Absicherung gegen Inflation und Währungsabwertungen betrachtet. Sein Wert ist unabhängig von staatlichen Institutionen oder einzelnen Währungen, was es in unsicheren Zeiten besonders attraktiv macht.
Zentralbanken zählen zu den größten Goldkäufern weltweit. Um ihre Währungen in Krisenzeiten zu stützen, kaufen sie Gold, um die wirtschaftliche Stabilität und das Vertrauen in ihre Währungen zu stärken. 2022 kauften Zentralbanken laut World Gold Council 1.136 Tonnen Gold im Wert von rund 70 Milliarden US-Dollar – ein Rekordwert. Besonders schnell wachsende Schwellenländer wie China, Indien und die Türkei erhöhen ihre Goldreserven in hohem Tempo.
Gold steht traditionell in einer inversen Beziehung zum US-Dollar und zu US-Staatsanleihen – beide gelten als bedeutende Reservewährungen und sichere Häfen für Anleger. Wenn der Dollar abwertet, steigt der Goldpreis häufig, was Investoren und Zentralbanken in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit dazu veranlasst, ihre Portfolios zu diversifizieren. Ebenso ist Gold gegenläufig zu risikobehafteten Vermögenswerten. Während ein Aufschwung an den Aktienmärkten den Goldpreis oft drückt, profitieren Goldinvestoren in Zeiten von Börsenturbulenzen.
Der Goldpreis unterliegt einer Vielzahl von Einflussfaktoren. Geopolitische Spannungen oder die Sorge vor einer tiefen Rezession können den Preis des Edelmetalls schnell in die Höhe treiben, da Gold als sicherer Hafen gilt. Ohne eigene Rendite steigt der Wert des Metalls häufig in Phasen niedriger Zinsen, während hohe Zinskosten den Preis drücken. Die Entwicklung des Goldpreises ist jedoch stark vom US-Dollar abhängig, da das Edelmetall in Dollar (XAU/USD) gehandelt wird. Ein starker Dollar übt in der Regel Druck auf den Goldpreis aus, während ein schwächerer Dollar zu einer Verteuerung führen kann.