Commerzbank-Experte Volkmar Baur widerspricht einer jüngsten internen Analyse zur Unterbewertung des chinesischen Yuan und zu Chinas Exportstärke. Seiner Einschätzung nach deuten sowohl die chinesische Wechselkurspolitik als auch die Goldkäufe auf eine gezielte Schwächung der Währung hin. Baur verweist dabei auf den überproportionalen Anstieg der chinesischen Exporte und des Handelsüberschusses seit 2019. Ein realer Wechselkursvorteil von rund 20 Prozent dürfte seiner Ansicht nach kaum ohne Folgen für die globalen Handelsströme bleiben.
"Zwischen 2019 und Ende 2025 hat China seine realen Exporte um 47 Prozent gesteigert, während der Welthandel im gleichen Zeitraum lediglich um 15 Prozent gewachsen ist. China muss also irgendwo auf der Welt Marktanteile hinzugewonnen haben. Im selben Zeitraum stieg der chinesische Handelsüberschuss von rund 400 Milliarden auf 1,18 Billionen US-Dollar."
"Betrachtet man ausschließlich Industriegüter, belief sich Chinas Handelsüberschuss 2025 auf 1,75 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Selbst in ihren besten Jahren erreichten die einst führenden Exportnationen Deutschland und Japan diesen Wert nicht einmal zusammengenommen."
"Anders als die D-Mark oder der japanische Yen - der allerdings Ende der 1980er-Jahre gegenüber dem US-Dollar stark aufwertete - verlor der reale Wechselkurs des chinesischen Yuan zwischen 2019 und 2025 auf handelsgewichteter Basis rund 10 Prozent an Wert. Gegenüber dem Euro waren es sogar 22 Prozent."
"Natürlich lässt sich nicht die gesamte Entwicklung auf einen unterbewerteten Yuan zurückführen. In der Wirtschaft gibt es selten - wenn überhaupt - nur einen einzigen Grund für ein bestimmtes Ergebnis. In einigen Produktgruppen hat China sogar einen globalen Exportmarkt geschaffen, wo zuvor keiner existierte."
"Als Ökonom fällt es mir dennoch schwer zu argumentieren, dass ein Preisunterschied von 20 Prozent keinerlei Auswirkungen auf Angebot und Nachfrage hat."