Ökonomen der Société Générale weisen darauf hin, dass die Industrieproduktion im Euroraum im Januar deutlich gesunken ist – trotz verbesserter Einkaufsmanagerindizes und steigender Auftragseingänge in Deutschland. Vor allem die Pharmaindustrie sowie energieintensive Branchen belasteten die Entwicklung. Dennoch erwarten die Experten weiterhin eine zyklische Erholung, gestützt durch deutsche Fiskalimpulse, KI-getriebene Investitionen, eine Belebung des Wohnungsmarkts und robuste Konsumausgaben. Mittelfristig dürfte sich die Industrieproduktion wieder stärker an der Binnennachfrage orientieren.
„Nach einer moderaten Erholung im zweiten Halbjahr 2025 schwächte sich der Industriesektor im Januar deutlich ab (-1,5 Prozent zum Vormonat). Wir hatten erwartet, dass die Erholung im Herbst an Dynamik verliert, jedoch nicht mit einem derart starken Rückgang gerechnet. Das steht teilweise im Widerspruch zur Verbesserung des Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe im Euroraum zu Jahresbeginn sowie zu den ermutigenden Nachrichten zu den deutschen Auftragseingängen. Zwei Branchen erklären den Großteil des Rückgangs im Januar.“
„Pharmaindustrie: Der Sektor, der die Industrieproduktion bis zum Sommer gestützt hatte – vor allem wegen höherer Exporte in die USA rund um den sogenannten „Liberation Day“ – verzeichnet inzwischen einen Rückgang, obwohl die Nachfrage nach Medikamenten zur Gewichtsreduktion hoch bleibt. Der Einbruch im Januar fiel besonders stark aus (-16 Prozent zum Vormonat) und drückte die Produktion auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2024. Damit entfielen rund zwei Drittel des gesamten Rückgangs der Industrieproduktion auf diesen Bereich. Für Februar erscheint eine deutliche Gegenbewegung wahrscheinlich.“
„Energieintensive Industrien: Die Produktion sank um 3,4 Prozent zum Vormonat und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 2009 – etwa 13 Prozent unter dem Niveau vor dem Ukraine-Krieg. Diese Branchen arbeiten weiterhin unter schwierigen Bedingungen, die zuletzt durch starke Schwankungen an den Öl- und LNG-Märkten im Zusammenhang mit dem Konflikt im Iran verschärft wurden. Dieser Sektor dürfte die industrielle Gesamtproduktion mittelfristig weiter belasten.“
„Mit Blick nach vorn deutet unsere Prognose weiterhin auf eine zyklische Erholung im Euroraum hin, gestützt durch das deutsche Fiskalprogramm, KI-getriebene Investitionen, die Erholung im Wohnungsbau und eine robuste Konsumnachfrage. Gleichzeitig scheint der Effekt der US-Zölle inzwischen weitgehend verarbeitet.“
„Wir erwarten daher, dass sich die Industrieproduktion schrittweise wieder an die laufende Erholung der Binnennachfrage annähert – allerdings mit deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Branchen.“