TradingKey – Am 28. August US-Ostküstenzeit fiel der KI-Cloud-Infrastrukturanbieter IREN (IREN) im vorbörslichen Handel zeitweise um über 7 %. Bei Redaktionsschluss notierte IREN vorbörslich 5,97 % im Minus bei 38,11 US-Dollar. Die am vorherigen Handelstag nach Börsenschluss vorgelegten Ergebnisse des Unternehmens für das vierte Geschäftsquartal verfehlten die Erwartungen und lösten Abverkäufe am Markt aus.

[Quelle: TradingView]
Das Unternehmen erzielte im vierten Geschäftsquartal einen Umsatz von 137,2 Millionen US-Dollar. Davon stieg der Umsatz aus KI-Cloud-Diensten gegenüber dem Vorquartal von 33,6 Millionen US-Dollar auf 70,5 Millionen US-Dollar. Dies entsprach etwa 51,4 % des gesamten Quartalsumsatzes und übertraf damit erstmals das Bitcoin-Mining-Geschäft (66,7 Millionen US-Dollar).
Während die Umsätze im KI-Cloud-Bereich wuchsen, belasteten Wertberichtigungen das Ergebnis der aktuellen Periode erheblich. Auf GAAP-Basis weitete sich der Nettoverlust von IREN im vierten Quartal von 247,8 Millionen US-Dollar im Vorquartal auf 684 Millionen US-Dollar aus und lag damit weit über der Analystenschätzung von 204,3 Millionen US-Dollar.
Der Verlust war vor allem auf zwei nicht zahlungswirksame Positionen zurückzuführen: eine Wertminderung auf Mining-Ausrüstungsgüter von rund 450,4 Millionen US-Dollar sowie einen Rückgang des beizulegenden Zeitwerts von zur Veräußerung gehaltenen Mining-Geräten um etwa 102,1 Millionen US-Dollar. Zusammen beliefen sich diese auf 552,5 Millionen US-Dollar, was etwa 81 % des Nettoverlusts im Quartal ausmachte.
Diese Vermögenswertanpassungen stehen in direktem Zusammenhang mit dem Rückbau des Bitcoin-Mining-Geschäfts und dem vorangetriebenen Wandel des Unternehmens hin zu KI-Cloud-Diensten.
Im selben Zeitraum fiel das bereinigte EBITDA von 59,5 Millionen US-Dollar im Vorquartal auf 19,2 Millionen US-Dollar und blieb damit hinter dem Marktkonsens von 57,1 Millionen US-Dollar zurück. Der Druck der KI-Infrastrukturexpansion und der geschäftlichen Neuausrichtung auf das kurzfristige Betriebsergebnis spiegelt sich bereits in der EBITDA-Kennzahl wider.
Auf Ganzjahresbasis erreichte der Umsatz von IREN mit KI-Cloud-Diensten 128,8 Millionen US-Dollar, wovon rund 55 % im vierten Quartal erwirtschaftet wurden. Dies deutet auf einen sich beschleunigenden Quartalswachstumstrend in diesem Geschäftsbereich hin.
Nach den Plänen des Unternehmens liegt das Ziel für die KI-Cloud-Kapazität im Jahr 2026 bei rund 480 MW (Megawatt) und soll 2027 weiter auf 1,2 GW (Gigawatt) ausgebaut werden.
Vertraglich weist die von IREN und Microsoft (MSFT) unterzeichnete fünfjährige Rahmenvereinbarung einen potenziellen Gesamtwert von bis zu 9,7 Milliarden US-Dollar (inklusive Verlängerungsoptionen) auf und umfasst mehrere KI-Infrastrukturbereitstellungen der 50-MW-Klasse. Das erste 50-MW-Projekt, Horizon 1, wurde bereits an Microsoft ausgeliefert und von diesem abgenommen; die verbleibenden Bereitstellungen sollen bis 2026 erfolgen.
Das Unternehmen gab zudem bekannt, dass das in Horizon 1 eingesetzte System NVIDIA GB300 NVL72 die entsprechenden Tests von Nvidia (NVDA) bestanden und die Zertifizierung „Exemplar Cloud“ erhalten hat.
Nach vollständiger Erfüllung aller unterzeichneten Verträge über KI-Cloud-Dienste wird die entsprechende hochgerechnete Jahresumsatzrate (ARR) etwa 4 Milliarden US-Dollar betragen. Zum Ende dieses Geschäftsquartals beläuft sich der voll einsatzbereite und im Betrieb befindliche Teil auf einen ARR von rund 500 Millionen US-Dollar. Die Differenz zwischen beiden Werten erklärt sich hauptsächlich dadurch, dass sich der Großteil der Rechenkapazität noch im Aufbau oder in der Auslieferung befindet und noch keine Umsätze generiert.
Künftig wird sich das Interesse des Marktes auf zwei Kernbereiche konzentrieren: erstens, ob die KI-Infrastruktur planmäßig aufgebaut und pünktlich in Betrieb genommen werden kann, und zweitens, inwieweit die unterzeichneten Cloud-Service-Verträge in tatsächliche Umsätze und operativen Cashflow umgewandelt werden können.