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Silberpreis extrem überverkauft: Kommt jetzt die Gegenbewegung?

Quelle Fxstreet

Der Silberpreis steht nach dem jüngsten Einbruch an einer heiklen Marke. Die technischen Signale sprechen weiter klar für die Verkäufer - gleichzeitig ist Silber inzwischen so stark überverkauft, dass jede weitere Abwärtsbewegung das Risiko einer scharfen Gegenreaktion erhöht. Genau deshalb lohnt sich jetzt der Blick auf zwei Kursmarken: 54,53 US-Dollar auf der Unterseite und 58,76 US-Dollar auf der Oberseite.

Am Freitag notieren die Silber-Futures für Dezember 2026 bei 54,60 US-Dollar. Damit liegt der Silberpreis deutlich unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Der 20-Tage-EMA verläuft bei 58,97 US-Dollar, der 50-Tage-Durchschnitt bei 63,77 US-Dollar und die 200-Tage-Linie sogar bei 71,41 US-Dollar.

Das Bild ist damit eindeutig: Der kurzfristige, mittelfristige und langfristige Trend zeigen aktuell nach unten.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Silber zuletzt schwach war. Das ist offensichtlich. Entscheidend ist vielmehr, ob der Abwärtstrend jetzt noch einmal Fahrt aufnimmt - oder ob der stark überverkaufte Markt kurz vor einer Gegenbewegung steht.

Silberpreis: Die Verkäufer geben den Ton an

Der Trend der vergangenen drei Monate bleibt klar bearish. Tiefere Hochs treffen auf tiefere Tiefs, eine klassische Abwärtsstruktur.

Seit dem Hoch vom 2. Oktober bei rund 62,46 US-Dollar hat sich zudem ein fallender Trendkanal herausgebildet. Nach dem deutlichen Ausverkauf vom 22. Oktober drückt der Silberpreis inzwischen an dessen untere Begrenzung.

Ein bestätigtes Umkehrsignal gibt es bislang nicht.

Auch die aktuelle Tageskerze vom 23. Oktober hilft den Käufern noch nicht weiter. Sie ist sehr klein und befindet sich noch in der Entstehung. Von einer bestätigten bullischen Umkehr kann deshalb keine Rede sein.

Technisch bleibt damit vorerst die Marke von 54,53 US-Dollar entscheidend.

Fällt Silber auf Schlusskursbasis darunter, würde das die bestehende Abwärtsbewegung bestätigen und die Tür für weitere Verluste öffnen.

Erst ein Anstieg über 58,76 US-Dollar würde das Bild spürbar aufhellen. Diese Marke entspricht dem jüngsten Erholungshoch und gleichzeitig einem wichtigen Widerstand innerhalb des fallenden Trendkanals.

Warum die Wahrscheinlichkeit weiter gegen Silber spricht

Die technische Analyse gewichtet eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung derzeit mit 75 %. Für eine bullische Trendwende bleiben entsprechend nur 25 %.

Der Blick auf die Momentum-Indikatoren erklärt warum.

Der RSI liegt aktuell bei 30,46. Damit nähert sich Silber einem stark überverkauften Bereich. Der Williams %R steht sogar bei -99,35, während der Commodity Channel Index mit -139,89 ebenfalls erheblichen Verkaufsdruck signalisiert.

Das klingt zunächst nach einer möglichen Kaufchance. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Ein überverkaufter Markt muss nicht automatisch steigen. Gerade in starken Abwärtstrends können RSI, Williams %R oder CCI über längere Zeit extreme Werte anzeigen, während der Kurs trotzdem weiter fällt.

Genau deshalb ist die Trendstärke derzeit besonders wichtig.

Der ADX liegt bei 29,79. Gleichzeitig steht der negative Directional Indicator bei 29,29, während der positive Wert lediglich 10,34 erreicht.

Mit anderen Worten: Die Verkäufer bestimmen weiterhin klar die Richtung.

Auch der MACD bleibt bearish. Gleichzeitig notiert Silber unter sämtlichen wichtigen gleitenden Durchschnitten.

Für eine nachhaltige Trendwende reicht es deshalb nicht, dass Silber inzwischen „billig“ oder technisch überverkauft aussieht. Die Käufer müssten erst zeigen, dass sie tatsächlich wieder Kontrolle über den Markt gewinnen.

Genau dieses Signal fehlt bislang.

Der 22. Oktober macht Anlegern zusätzlich Sorgen

Besonders wichtig ist dabei das Handelsvolumen.

Der Rückgang auf ein neues Tief am 22. Oktober wurde von erhöhtem Volumen begleitet.

Das ist technisch kein unwichtiges Detail.

Wenn ein neuer Tiefpunkt mit hohem Volumen erreicht wird, spricht das zunächst dafür, dass hinter der Bewegung echter Verkaufsdruck steckt. Der Rückgang wurde also nicht einfach von wenigen Marktteilnehmern verursacht, sondern von einer breiteren Aktivität begleitet.

Damit spricht der jüngste Einbruch bislang eher für eine Fortsetzung des Trends als für einen abgeschlossenen Ausverkauf.

Doch genau hier entsteht auch das größte Risiko für Anleger, die jetzt noch auf weiter fallende Silberpreise setzen.

Denn Silber befindet sich gleichzeitig in einem extrem überverkauften Zustand und nähert sich einer möglichen Nachfragezone.

Das bedeutet: Der Trend spricht weiter für die Verkäufer, aber das Chance-Risiko-Verhältnis eines späten Einstiegs wird schlechter.

Wer einem starken Abverkauf hinterherläuft, muss immer damit rechnen, von einer plötzlichen Gegenbewegung überrascht zu werden.

Unter 54,53 Dollar droht der nächste Rücksetzer

Für das bearishe Szenario bleibt deshalb ein Schlusskurs unterhalb von 54,53 US-Dollar das entscheidende Signal.

Ein aggressiver Einstieg in dieses Szenario läge bei 55,56 US-Dollar mit einem Stop bei 57,00 US-Dollar.

Der reguläre Einstieg wird bei 54,50 US-Dollar angesetzt, der Stop bei 55,60 US-Dollar.

Das erste Kursziel liegt anschließend bei 53,00 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von etwa 1,4.

Das zweite Ziel liegt bei 52,00 US-Dollar. Hier steigt das Chance-Risiko-Verhältnis auf rund 2,3.

Damit wäre technisch durchaus weiteres Abwärtspotenzial vorhanden.

Trotzdem sollte man die aktuelle Situation nicht mit einem einfachen „Silber muss weiter fallen“ verwechseln.

Der Markt ist bereits weit gelaufen. Je weiter der Silberpreis fällt, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass kurzfristige Anleger Gewinne mitnehmen und Käufer in den Markt zurückkehren.

Deshalb ist gerade die Bestätigung unter 54,53 US-Dollar wichtig.

Über 58,76 Dollar würde sich das Blatt wenden

Für eine bullische Trendwende fehlt bislang dagegen jede Bestätigung.

Die technische Wahrscheinlichkeit dafür liegt derzeit bei lediglich 25 %.

Das würde sich erst ändern, wenn Silber die Marke von 58,76 US-Dollar zurückerobert.

Ein Schlusskurs oberhalb dieses Niveaus wäre deshalb mehr als nur eine normale Gegenbewegung. Er würde den fallenden Trendkanal angreifen und die bisherige Struktur aus tieferen Hochs schwächen.

Der Einstieg in dieses Szenario liegt bei etwa 58,80 US-Dollar. Der Stop wird bei 57,30 US-Dollar angesetzt.

Das erste Ziel wäre anschließend 61,30 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von rund 1,7.

Das zweite Ziel liegt beim früheren Hoch von 62,46 US-Dollar. In diesem Fall würde das Chance-Risiko-Verhältnis auf etwa 2,4 steigen.

Ein aggressiver Einstieg ist für dieses bullische Szenario derzeit nicht vorgesehen.

Das ergibt Sinn.

Denn bislang spricht schlicht zu wenig dafür, dass die Käufer bereits wieder das Kommando übernehmen.

Silberpreis jetzt an einer gefährlichen Stelle

Das technische Gesamtbild bleibt damit zunächst eindeutig.

Der Silberpreis befindet sich seit drei Monaten in einer fallenden Struktur. Auch auf Sicht des vergangenen Monats hat sich ein abwärtsgerichteter Trendkanal gebildet, der weiterhin Bestand hat.

Ein bestätigter Doppelboden ist nicht zu erkennen. Ebenso fehlen ein Dreieck, eine Flagge, ein Keil oder eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation.

Auch bei den Candlesticks gibt es bislang kein Signal für eine Bodenbildung.

Der 22. Oktober brachte eine große bearishe Ausbruchskerze. Die Kerze vom 23. Oktober ist noch nicht abgeschlossen und kann deshalb noch keine bestätigte Trendwende liefern.

Damit bleibt die Lage beim Silberpreis kurzfristig angespannt.

Unterhalb von 54,53 US-Dollar hätten die Verkäufer technisch weiterhin die besseren Karten. Erst oberhalb von 58,76 US-Dollar würde sich das Bild deutlich verbessern.

Genau diese Kombination macht die aktuelle Situation so interessant.

Silber ist schwach, der Trend zeigt nach unten und sämtliche wichtigen technischen Indikatoren sprechen bislang gegen eine Trendwende.

Gleichzeitig ist der Markt inzwischen extrem überverkauft.

Für Anleger bedeutet das: Der Silberpreis steht möglicherweise vor einer weiteren Abwärtsbewegung - aber ausgerechnet jetzt wird es zunehmend gefährlich, dem Trend blind hinterherzulaufen.

Die nächsten Handelstage dürften deshalb zeigen, ob die Marke von 54,53 US-Dollar fällt oder ob Silber doch noch die Kraft für einen Befreiungsschlag über 58,76 US-Dollar findet.

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