Die asiatischen Aktienmärkte gaben am Freitag überwiegend nach, da höhere Ölpreise die Stimmung belasteten, während die US-Iran-Friedensgespräche festgefahren sind und weiterhin Störungen in der Straße von Hormus bestehen. Die japanischen Aktien zeigten hingegen gemischte Entwicklungen, da die Anleger Inflationsdaten bewerteten, die vor der geldpolitischen Sitzung der Bank of Japan (BoJ) in der nächsten Woche unter dem 2%-Ziel der Zentralbank blieben.
Anhaltende Unsicherheiten bei der Versorgung haben die Energiepreise auf einem hohen Niveau gehalten, was die Sorgen über Inflation und globales Wachstum verstärkt. Wichtige asiatische Volkswirtschaften sind stark von Ölimporten aus dem Nahen Osten abhängig, was die Region besonders anfällig für Entwicklungen im Iran-Konflikt macht.
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts liegt der Hang Seng Index in Hongkong um 0,2% bei etwa 25.860 Punkten im Minus, der südkoreanische KOSPI fällt um 0,93% auf rund 6.410 Punkte, und der SSE Composite Index Chinas sinkt um 0,58% auf etwa 4.050 Punkte. Der Nikkei 225 Japans notiert hingegen 0,61% höher bei rund 59.500 Punkten.
Die jährliche Inflation in Japan stieg im März auf 1,5% von 1,3% im Februar, dem niedrigsten Stand seit fast vier Jahren. Die Kerninflation erhöhte sich von 1,6% auf 1,8% im Jahresvergleich, blieb jedoch zum zweiten Monat in Folge unter dem 2%-Ziel der BoJ.
Die Märkte gehen überwiegend davon aus, dass die BoJ die Zinssätze unverändert lässt, während die Entscheidungsträger die erhöhte Unsicherheit im Nahen Osten bewerten, wo festgefahrene US-Iran-Friedensbemühungen und anhaltende Blockaden in der Straße von Hormus die Energiepreise weiter steigen lassen und die Inflationsrisiken verschärfen.
Die Aktien in Hongkong gaben nach, da die Risikobereitschaft angesichts anhaltender geopolitischer Spannungen und gemischter globaler Signale gedämpft blieb. Das US-Militär stoppte zwei iranische Öltanker, die versuchten, die Blockade zu umgehen, während Teheran weiterhin Schiffe in der Straße von Hormus bedroht.
Der südkoreanische Leitindex KOSPI fiel, angeführt von Schwäche bei Technologiewerten, und folgte damit den Verlusten an der Wall Street über Nacht sowie Gewinnmitnahmen nach jüngsten Rekordhochs. Gleichzeitig führten steigende geopolitische Spannungen zu einer Rotation in verteidigungsbezogene Aktien, die die breiteren Verluste teilweise ausglichen, mit Kursgewinnen bei Hanwha Aerospace und Doosan Enerbility.
Asien trägt rund 70 Prozent zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei und beheimatet mehrere bedeutende Börsenbarometer. In den entwickelten Volkswirtschaften der Region ragen vor allem der Nikkei 225, der 225 Unternehmen an der Börse Tokio umfasst, sowie der südkoreanische KOSPI heraus. China verfügt mit dem Hang Seng Index, dem Shanghai Composite und dem Shenzhen Composite über drei zentrale Indizes. Als große Schwellenwirtschaft rückt zudem Indien stärker in den Fokus internationaler Investoren, die vermehrt in Unternehmen investieren, die im BSE Sensex und im Nifty 50 gelistet sind.
Die großen Volkswirtschaften Asiens unterscheiden sich deutlich in ihrer Struktur, entsprechend variieren auch die prägenden Sektoren. Technologieunternehmen haben in Japan und Südkorea ein starkes Gewicht und gewinnen auch in China zunehmend an Bedeutung. Finanzdienstleister prägen insbesondere Börsenplätze wie Hongkong oder Singapur, die als wichtige regionale Finanzzentren gelten. In China und Japan spielt zudem die Industrie eine zentrale Rolle, etwa in der Automobilproduktion oder der Elektronikfertigung. Mit dem Wachstum der Mittelschicht in Ländern wie China und Indien gewinnen außerdem Einzelhandel und E-Commerce an Bedeutung.
Die Entwicklung asiatischer Aktienindizes wird von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst. Maßgeblich sind vor allem die Geschäftszahlen der im jeweiligen Index enthaltenen Unternehmen, die im Rahmen von Quartals- und Jahresberichten veröffentlicht werden. Darüber hinaus spielen die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der einzelnen Länder, geldpolitische Entscheidungen der Zentralbanken sowie die Fiskalpolitik der Regierungen eine wichtige Rolle. Auch politische Stabilität, technologischer Fortschritt und die Rechtsstaatlichkeit können die Märkte beeinflussen. Hinzu kommt die Entwicklung der US-Börsen, da sich viele asiatische Märkte häufig an den Vorgaben der Wall Street orientieren. Schließlich wirkt sich auch die allgemeine Risikostimmung an den Finanzmärkten aus, da Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren als risikoreichere Anlageform gelten.
Aktieninvestitionen sind grundsätzlich mit Risiken verbunden. In Asien kommen spezifische regionale Faktoren hinzu. Die politischen Systeme reichen von gefestigten Demokratien bis hin zu autoritären Strukturen, wodurch sich Stabilität, Transparenz, Rechtsstaatlichkeit und Anforderungen an die Unternehmensführung teils deutlich unterscheiden. Geopolitische Spannungen wie Handelskonflikte oder territoriale Auseinandersetzungen können ebenso für Kursschwankungen sorgen wie Naturkatastrophen. Zudem beeinflussen Wechselkursbewegungen die Bewertung von Aktienmärkten in der Region. Besonders exportorientierte Volkswirtschaften reagieren empfindlich auf Währungsschwankungen: Eine starke Landeswährung kann die Wettbewerbsfähigkeit im Ausland beeinträchtigen, während eine schwächere Währung die Exportchancen verbessert.