Rabobank-Devisenstrategin Jane Foley beleuchtet die Entwicklung des EUR/USD vor dem Hintergrund unterschiedlicher Inflations- und geldpolitischer Perspektiven in den USA und der Eurozone. Im Fokus stehen dabei die geplanten Rückkäufe von US-Staatsanleihen, die Debatte über eine mögliche Abwertung des US-Dollar sowie die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank Fed im Vergleich zum Ruf der Europäischen Zentralbank (EZB) als konsequente Inflationsbekämpferin. Rabobank rechnet mit einer vor allem vom Dollar ausgehenden Volatilität und erwartet, dass sich EUR/USD in den kommenden Monaten überwiegend innerhalb einer Handelsspanne bewegt - mit einer leichten Tendenz nach oben.
„Bei der FOMC-Sitzung im Juni prognostizierten neun der 18 Mitglieder mindestens eine Zinserhöhung in diesem Jahr (Fed-Chef Warsh nimmt daran nicht teil). Bei der Fed-Sitzung im Juli sprachen sich drei Mitglieder offiziell für eine sofortige Zinserhöhung aus. Aus dem Protokoll ging zudem hervor, dass ‚viele‘ Mitglieder für eine weitere Straffung offen wären, sollte die Inflation nicht nachlassen. Dennoch geriet der Dollar nach der Juli-Sitzung der Fed unter Druck, da der Markt von der ausgebliebenen noch restriktiveren Überraschung enttäuscht war.“
„Das stärker als erwartet ausgefallene Wirtschaftswachstum der Eurozone im zweiten Quartal und die soliden Einkaufsmanagerindizes für August zeigen, dass sich die Wirtschaft trotz des diesjährigen Energiepreisschocks widerstandsfähig präsentiert hat. Bessere Konjunkturdaten als erwartet und die Aussicht auf höhere kurzfristige Zinsen wirken sich in der Regel positiv auf eine Währung aus. Obwohl der schwächere Dollar EUR/USD von Ende Juli bis Mitte August etwas nach oben verhalf, hielten sich Marktteilnehmer mit dem Aufbau von Long-Positionen im Euro zurück. Hintergrund ist der Krieg mit dem Iran und die Rolle der Eurozone als Energieimporteur, die entsprechende Belastungen für Wachstum und Inflation mit sich bringt.“
„Dies erschwert den Inflationsausblick für die USA, schafft Potenzial für Spannungen zwischen dem Finanzministerium und der Fed und erhöht die Aufmerksamkeit für die morgige Rede von Fed-Chef Warsh in Jackson Hole.“
„Solange der Krieg nicht endet, dürfte das Aufwärtspotenzial des Euro begrenzt bleiben. Für EUR/USD erwarten wir in den kommenden Monaten einen volatilen Handel innerhalb einer Spanne um 1,16 bis 1,17.“
„Angesichts der Vielzahl an Unsicherheiten gehen wir davon aus, dass die Kursentwicklung von EUR/USD in den kommenden Wochen weiterhin stärker von Nachrichten zum Dollar als vom Euro bestimmt wird, obwohl sowohl die EZB als auch die Fed im September geldpolitische Sitzungen abhalten. Für die kommenden Monate rechnen wir mit einem weiterhin schwankungsreichen Handel innerhalb einer Bandbreite. Eine leichte Aufwärtstendenz könnte EUR/USD bis zum Frühjahr in Richtung 1,18 führen.“