Öl, Gas, Gold, Kupfer oder doch Agrarrohstoffe? Wer derzeit nach den nächsten Chancen bei Rohstoffen sucht, sollte den Blick nach Einschätzung von UBS deutlich weiter fassen als nur auf den Energiesektor. Denn während Öl und Gas weiter stark von der Lage im Nahen Osten abhängen, entstehen bei Industriemetallen, Gold und Agrarrohstoffen ganz eigene Kurstreiber.
Genau das macht Rohstoffe aktuell so spannend.
UBS schreibt in einer aktuellen Einschätzung, dass die Argumente für ein breites Engagement in Rohstoffen weit über Energie hinausgehen. Rohstoffe könnten aus Sicht der Bank sowohl als Renditequelle als auch als Schutz gegen Inflation eine Rolle spielen.
„Während die sich verändernden Bedingungen im Nahen Osten weiterhin die Märkte für Öl und raffinierte Produkte beeinflussen, sind wir der Ansicht, dass das Argument für ein breites Engagement in Rohstoffen als Renditequelle und Inflationsschutz weit über den Energiesektor hinausgeht“, erklärten die Strategen.
Die entscheidende Frage lautet also: Wo könnten die nächsten Chancen bei Rohstoffen liegen?
Im Energiesektor bleibt die Lage angespannt.
Der europäische Gaspreis, gemessen an den niederländischen TTF-Futures, lag am 26. August bei rund 65 Euro je Megawattstunde. Damit notierte er nur knapp unter dem Drei-Jahres-Hoch, das wenige Tage zuvor erreicht worden war.
Auch Brent-Öl hielt sich mit rund 87 US-Dollar je Barrel auf einem hohen Niveau.
Treiber bleibt vor allem die Geopolitik.
UBS verweist auf Berichte, wonach Iran und Oman kurz vor einer Vereinbarung zur Straße von Hormus stehen könnten. Das wäre grundsätzlich ein positives Signal für den Ölmarkt, weil die Meerenge zu den wichtigsten Transportrouten für Energie weltweit gehört.
Doch gleichzeitig drohen neue Belastungen.
Denn die Aussicht auf schärfere Sanktionen der USA gegen Iran wirkt einer möglichen Entspannung entgegen.
Für Anleger bedeutet das: Öl und Gas bleiben interessant, aber auch extrem abhängig von politischen Schlagzeilen. Genau deshalb sieht UBS andere Rohstoffe als mindestens ebenso spannend an.
Besonders interessant bleibt Kupfer.
Der Grund ist relativ einfach: Zwei der größten Investitionstrends der kommenden Jahre brauchen enorme Mengen davon.
Zum einen geht es um künstliche Intelligenz.
Neue Rechenzentren brauchen nicht nur Chips. Sie brauchen Stromleitungen, Netztechnik, Kühlung und eine komplett neue Energieinfrastruktur. Genau hier spielt Kupfer eine zentrale Rolle.
Zum anderen läuft weltweit die Elektrifizierung vieler Bereiche weiter. Stromnetze werden ausgebaut, Fahrzeuge elektrifiziert und immer mehr Infrastruktur benötigt zusätzliche Leitungen und Energieversorgung.
UBS sieht deshalb KI-Infrastruktur und Elektrifizierung als wichtige langfristige Treiber für Industriemetalle wie Kupfer.
Und genau das unterscheidet Kupfer von vielen kurzfristigen Rohstoff-Trades.
Hier hängt die Story nicht nur an einer politischen Krise oder einem einzelnen Angebotsproblem. Dahinter steht ein langfristiger Investitionszyklus.
Wenn der Ausbau von KI-Rechenzentren und Stromnetzen weitergeht, könnte auch die Nachfrage nach Kupfer über Jahre hoch bleiben.
Noch stärker könnte es kurzfristig bei Agrarrohstoffen zur Sache gehen.
Hier rückt El Niño in den Mittelpunkt.
Aktuelle Prognosen sehen eine Wahrscheinlichkeit von rund 80 %, dass sich das aktuelle El-Niño-Ereignis bis zum Jahresende zu einem sehr starken oder sogar sogenannten „Super-El-Niño“ entwickelt.
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Bedingungen bis ins kommende Jahr anhalten, liegt sogar bei 97 %.
Für die Agrarmärkte ist das ein gewaltiger Faktor.
Stärkere Wetterextreme können Ernten beschädigen, Produktionsmengen drücken und damit das Angebot verknappen.
Die ersten Auswirkungen sind bereits an den Preisen zu sehen.
Weizen sprang am 26. August um 6,6 % nach oben. Mais legte um 2,7 % zu. Beide Rohstoffe erreichten damit Drei-Jahres-Hochs.
Das zeigt, wie sensibel Agrarrohstoffe derzeit reagieren.
Für Anleger kann daraus eine Chance entstehen, gleichzeitig aber auch ein erhebliches Risiko. Denn kaum ein Rohstoffmarkt hängt kurzfristig so stark von Wetter, Ernteerträgen und regionalen Produktionsbedingungen ab.
Gerade deshalb könnte dieser Bereich in den kommenden Monaten deutlich stärker in den Fokus rücken.
Auch Gold bleibt für UBS attraktiv.
Kurzfristig dürfte das Umfeld zwar schwieriger werden. Langfristig sieht die Bank aber weiterhin Unterstützung durch die Nachfrage von Zentralbanken und die Diversifikation globaler Währungsreserven.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Gold wird längst nicht mehr nur von Privatanlegern oder Fonds gekauft. Auch Zentralbanken spielen am Markt eine große Rolle.
Viele Staaten versuchen, ihre Reserven breiter aufzustellen und weniger stark von einzelnen Währungen abhängig zu sein.
Gold passt genau in dieses Bild.
Denn anders als eine Staatsanleihe oder eine Währung ist Gold keine Forderung gegenüber einem anderen Land.
Gerade in einem geopolitisch unsicheren Umfeld kann das attraktiv sein.
Deshalb geht UBS davon aus, dass die Nachfrage der Zentralbanken und die zunehmende Diversifikation der Reserven den Goldpreis weiter stützen dürften.
Interessant ist allerdings, dass UBS nicht versucht, den einen großen Gewinner herauszupicken.
Die Bank setzt stattdessen auf einen breit diversifizierten Ansatz, der regelmäßig angepasst und aktiv gemanagt wird.
Das ergibt Sinn.
Öl reagiert derzeit vor allem auf geopolitische Risiken. Kupfer profitiert von Elektrifizierung und KI-Infrastruktur. Agrarrohstoffe hängen stark am Wetter. Gold wiederum wird von Zentralbanken, Währungen und geopolitischen Unsicherheiten beeinflusst.
Die Treiber sind also komplett unterschiedlich.
Genau darin liegt ein Vorteil.
Seit 1999 weisen Rohstoffe laut UBS lediglich eine Korrelation von 0,44 mit globalen Aktien auf.
Das bedeutet vereinfacht: Rohstoffe und Aktien bewegen sich zwar teilweise gemeinsam, aber eben längst nicht immer.
Für ein Portfolio kann das interessant sein.
Denn der Nutzen von Rohstoffen liegt nicht nur darin, möglichst hohe Renditen zu erzielen. Sie können auch dabei helfen, Risiken breiter zu verteilen und in Phasen steigender Inflation oder geopolitischer Unsicherheit einen anderen Renditetreiber ins Depot zu bringen.
Die nächste große Chance bei Rohstoffen muss nicht zwangsläufig beim Öl liegen.
Genau das ist die wichtigste Botschaft von UBS.
Energie bleibt angesichts der Lage im Nahen Osten extrem spannend, aber auch schwer kalkulierbar. Kupfer bekommt durch KI-Infrastruktur und Elektrifizierung langfristigen Rückenwind. Weizen und Mais reagieren bereits auf zunehmende Wetterrisiken. Und Gold bleibt durch Zentralbankkäufe und Reserve-Diversifikation unterstützt.
Wer bei Rohstoffen also nur auf den Ölpreis schaut, könnte einen großen Teil der Bewegung verpassen.
Gerade die Mischung aus geopolitischen Risiken, KI-Investitionen, Wetterextremen und Goldnachfrage macht den Rohstoffmarkt aktuell ungewöhnlich breit.
Und genau darin könnte die eigentliche Chance liegen.
Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und dem Finanzjournalismus und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Anlagen in Aktien und rohstoffbezogene Wertpapiere sind mit Verlustrisiken bis hin zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden.