MUFG-Devisenstratege Derek Halpenny untersucht, wie die Unsicherheit über die Öltransporte durch die Straße von Hormus und die niedrigen Kraftstoffvorräte in den USA die Rohölpreise beeinflussen. Widersprüchliche Angaben zum Schiffsverkehr, wechselnde diplomatische Signale und starke Rückgänge der Destillat- und Benzinbestände sorgen dafür, dass die Energiemärkte äußerst sensibel auf veränderte Erwartungen hinsichtlich des Angebots reagieren.
„Auch die Rohölpreise geben nach, nachdem Präsident Trump erklärt hat, die Straße von Hormus sei von Minen geräumt worden. Allerdings bestehen Zweifel daran, ob dies tatsächlich der Fall ist.“
„Könnte dies also der Beginn einer erneuten Erholung der Energiepreise sein? Die Antwort dürfte vor allem davon abhängen, wie viel Schiffsverkehr derzeit tatsächlich durch die Straße von Hormus kommt. Das lässt sich nur schwer mit Sicherheit sagen, doch das aktuelle Ölpreisniveau deutet darauf hin, dass das Verkehrsaufkommen höher ist als bislang angenommen.“
„US-Energieminister Chris Wright erklärte, das US-Militär habe vergangene Woche dabei geholfen, an einem einzigen Tag mehr als 15 Millionen Barrel durch die Straße von Hormus zu transportieren. Im Sieben-Tage-Durchschnitt seien es mehr als 8 Millionen Barrel täglich gewesen. Tracking-Daten, die auf 2 bis 6 Millionen Barrel pro Tag hindeuten, lassen diese Angaben übertrieben erscheinen. Allerdings könnten nicht erfasste Schiffe mit abgeschalteten Transpondern eine plausible Erklärung für die Differenz liefern. Es erscheint durchaus realistisch, dass die tatsächliche Zahl dazwischen liegt, was immer noch bemerkenswert wäre.“
„Die Ölpreise scheinen derzeit stärker auf positive Nachrichten zu reagieren und daraufhin zu fallen, als bei negativen Nachrichten zu steigen. Ein Bericht der ‚New York Times‘ vom Dienstag, wonach die USA eine Rückkehr von Diplomaten in den Nahen Osten erwägen, deutete darauf hin, dass Washington nicht mit einer Rückkehr zu einem umfassenden Konflikt rechnet. Das setzte die Preise unter Druck. Die Entwicklungen vom Mittwoch machten einen Teil, aber nicht den gesamten Rückgang wieder wett.“
„Die Vereinbarung zwischen Iran und Oman über Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus wurde als Zeichen dafür gewertet, dass Teheran auf Konfrontationskurs bleibt und damit eine Reaktion der USA provozieren könnte. Gleichzeitig zeigten die Daten zu den US-Energievorräten sehr starke Rückgänge bei Destillaten und Benzin. Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA liegen die Destillatbestände saisonbereinigt inzwischen auf dem niedrigsten jemals verzeichneten Niveau.“